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Ein Mann namens Wiesberger – from Austria


«Dei hohe Zeit, ist lang vorüber», sang Reinhard Fendrich einst in der inoffiziellen österreichischen Hymne «I am from Austria». Moderne Kaiserjäger und Fendrich-Fans wissen, wie der Text weiter geht, sie wissen aber auch, dass der Stolz auf dieses einst so grosse europäische Kaiserreich bis heute in den Österreicherinnen und Österreichern sowie Monarchie-Nostalgikern nachklingt. Nicht nur in Fendrich und seiner Ballade. Es sind aber nicht nur der Stolz auf die Heimat und deren Traditionen geblieben, zuweilen lässt die Nation auch Klasse im Umgang mit ihren grossen Söhnen und Töchtern aufblitzen. Selbst wenn der Anlass dafür kein erfreulicher ist, so wie gestern Samstagmorgen, als das offizielle Österreich – und auch viele Bürgerinnen und Bürger – von einer grossartigen Politikerin Abschied nehmen musste: Der Staatsakt für die vor einer Woche im Amt verstorbene Nationalratspräsidentin Barbara Prammer war ein solcher Moment, der «I am from Austria»-Gefühle im besten Sinne aufkeimen liess.
Wie nahe Leid und Freude gerade in dieser schnelllebigen Zeit beisammen liegen, erfuhr Austria am Abend. Da keimte die Hoffnung auf, dass Österreich doch wieder eine «hohe Zeit» erleben kann – nicht als politische Weltmacht, deren Ende wurde vor 100 Jahren eingeläutet, aber als Golfnation. Der Staatsakt vom Vormittag in Wien war abgehakt, als die kleine österreichische Golfgemeinde abends den Pay-TV-Sender «Sky» einschaltete um zu sehen, was ihr gross Golfsohn Bernd Wiesberger im fernen Kentucky zu leisten im Stande ist. Dies, nachdem der Burgenländer tags zuvor sein erstes Ziel für diese Woche, den Cut bei einem Major auf US-Boden, erreicht hatte. Und was für einen aufregende, ja grossartige Vollmondnacht die Fans in Europa erwartete! Wiesberger spielte gross auf, kein einziges Bogey verunzierte seine Scorekarte in der dritten Runde, und mit einem fabulösen Schlussspurt und fantastischen Annäherungsschlägen auf den Back Nine erspielte er sich zwischenzeitlich gar die alleinige Führung! Nur für Sekunden zwar, denn Rory McIlroy zog umgehend gleich, aber es reichte, dass einige Fans zu Hause dieses historische Kurzzeit-Leaderboard fotografieren konnten. Und ausserdem: was solls – ein Österreicher, der bei einem Major führt, egal ob geteilt oder alleinig, das war eine Premiere! Eine Premiere, die auch die deutschen «Sky»-Kommentatoren zu Lobeshymnen anstiftete.
Am Ende des dritten Tages liegt Bernd Wiesberger zwar «nur» auf Rang zwei, durfte mit seiner Annäherung auf der 17 aus 153 Metern beinahe zum Eagle immerhin den «shot of the day» verbuchen. Und heute nachmittag US-Zeit – zur heimischen Prime Time also – wird er mit dem Weltranglistenführenden McIlroy im letzten Flight auf die Schlussrunde des letzten Majors des Jahres gehen. Besser kann ein Wochenende doch gar nicht ausklingen, oder?
Doch: wenn Bernd Rory heute Nacht überholt, wird Österreich möglicherweise künftig nicht mehr über den Text der offiziellen Bundeshymne («Heimat grosser Söhne, Töchter») streiten, sondern schlicht die Europa-Hymne anstimmen – zumindest beim Ryder Cup im September in Gleneagles. Eines ist aber bereits jetzt klar: Nach dem gestrigen Auftritt des 28-jährigen Österreichers wird die Champions Tour nie mehr twittern müssen, dass fünf Spieler schlaggleich in Führung liegen, «darunter einer Namens Wiesberger» – seit letzter Nacht kennt Golf-Amerika den Oberwarter. Good luck, Bernd für die Finalrunde!
 
10. August 2014


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