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B.i.G.-Bosses ans Telefon!


«Schiri, Telefon!», brüllten Fussball- und Eishockey früher, wenn sie mit einer Entscheidung des Unparteiischen nicht einverstanden waren. Ich schreie heute ins World Wide Web: «B.i.G.-Bosses ans Telefon!» Und zwar unverzüglich! Seid Männer und steht gerade für das, was Ihr verbockt habt. So, wie man das von golfenden Gentlemen erwarten darf. Vogel-Strauss-Politik ist keine Lösung, denn man sieht sich immer zweimal im Leben. Erst recht als Golfer, denn die Golf-Welt ist klein – und verdammt gut vernetzt.
Was ist passiert? Im Juli 2012 testet die Schweizer Proette Fabienne In-Albon am Rande der DBLSO in Losone Eisen der deutschen Edel-Schlägerschmiede (Selbstbezeichnung) B.i.G. – und ist begeistert. So sehr, dass sie fortan mit diesen Eisen spielt. Wie ab August 2012 auch der frühere British-Open-Champion David Duval und einige Proetten der LPGA-Tour. Im Frühling 2013 muss B.i.G. Insolvenz anmelden. Das kann passieren, ein gutes Produkt allein ist kein Garant für wirtschaftlichen Erfolg, diese leidvolle Erfahrung mussten schon viele machen. «Fabsi» bleibt den Schlägern trotzdem treu und spielt erfolgreich auf der LETAS. So erfolgreich, dass sie sich Ende Saison über die LETAS-Order-of-Merit die LET-Tourkarte für 2014 sichert.
Die Ladies European Tour (LET) führt per Jahresbeginn 2014 neue Grooves-Vorschriften ein. Deshalb müssen alle Schlägerhersteller ihre Clubs zur R&A nach Schottland schicken. Auf der LET sind nur noch Schläger erlaubt, die auf der R&A-konform-Liste stehen. Die B.i.G.-Verantwortlichen versichern Fabienne In-Albon auf Nachfrage, dass ihre Eisen konform sind und auf der LET gespielt werden dürfen. Dass dies eine eiskalte Lüge ist, erfährt die Innerschweizerin im Mai 2014 in Holland. Im Vorfeld der Deloitte Ladies Open will sie den Griff ihres Eisen 9 wechseln lassen und bringt den Schläger zum LET-Clubfitter, der feststellt, diese Eisen stehen nicht auf der R&A-konform-Liste! Die Spielerin hat zwei Möglichkeiten: Rückzug vom Turnier oder sich innert 24 Stunden neue, konforme Eisen zu besorgen. Sie wählt die zweite Variante, blättert für Eisen (die optisch nicht ganz ihren Wünschen entsprechen, aber zu ihrem Schwung passen) eine stattliche Summe hin, tritt damit zum Turnier an und verpasst den Cut um zwei Schläge. Angesichts der Umstände kein schlechtes Resultat.
Enttäuschender als In-Albons Abschneiden in Holland ist das Verhalten der B.i.G.-Verantwortlichen. Die weigern sich nämlich, zu diesem Vorfall Stellung zu nehmen. Kein Anruf bei Fabienne In-Albon, keine Entschuldigungs-E-Mail, kein Sorry-Brief. Nix! Herren, dieses Verhalten ist so entlarvend wie auf dem Golfplatz beim Schummeln erwischt zu werden! Wenn die Firma in Insolvenz ist, erwartet keiner, dass deren Eigentümer nun für das neue Eisenset von Fabienne In-Albon aufkommen, aber ein Anruf in die Schweiz und eine ehrliche Entschuldigung, ein zerknirschtes Sorry, kostet maximal zwei Euro. Soviel sollte aufzutreiben sein. Andererseits: Was will man von Leuten anderes erwarten, die ihren Markenbotschaftern ins Gesicht lügen und sie ins Verderben laufen lassen? Was wäre gewesen, hätte Fabienne In-Albon mit den nicht-konformen Eisen ein LET-Turnier gewonnen? Der Sieg wäre ihr aberkannt, das Preisgeld nicht ausbezahlt worden, ihr Ruf hätte Schaden genommen, ihre Karriere wäre möglicherweise zerstört gewesen. Und alles nur, weil eine einstige Edel-Schlägerschmiede nicht eingestehen wollte, sich das Geld für den R&A-Test gespart zu haben…
Die gute Nachricht ob all des Ärgers: Die LET hat sich bei Fabienne In-Albon gemeldet und ihr schriftlich bestätigt, dass die neue Regelung erst seit Jahresbeginn gilt, «Fabsi» ihre Erfolge im 2013 mit damals absolut legalem Material erzielt hat und ihr damit weder der Sieg auf den Azoren noch die Tourkarte für 2014 aberkannt werden können. Und wer weiss, vielleicht wird durch dieses ganze Theater doch noch ein Schlägerhersteller auf die attraktive Schweizerin aufmerksam, der ihr nicht nur reguläres Material zur Verfügung stellt, sondern auch einen Sponsorenvertrag anbietet …

5. Juni 2014


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