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Irgendwie doch toll, dieses Masters


Ich bin, wenn es um Golf geht, ziemlich traditionell veranlagt – und so was von Europäerin, wie man das als Bürgerin eines Nicht-EU-Staates eigentlich gar nicht sein dürfte. Aber «the great old game» wäre ohne eine leicht verstaubte britische Etikette nur halb so schön. Weil ich von dieser Einstellung partout nicht abzubringen bin, vertrete ich auch die Meinung, dass es zwar vier Majors gibt, aus denen eines dennoch heraussticht: das europäische natürlich! In meinen Augen ist The Open das grösste aller Golfturniere, der Olymp.
Trotzdem verbrachte ich letztes Wochenende die Abende – und halbe Nächte – vor dem TV-Gerät, um The Masters mitzuverfolgen. Innerlich kämpfend, mich nicht von der atemberaubenden Schönheit von Augusta National verzaubern zu lassen. Ich habe den Kampf verloren. Der Masters-Parcours ist einzigartig und im April von einer derartigen Farbenpracht, dass man nur dahinschmelzen kann.
Je länger das Turnier dauerte, desto mehr Gefallen fand ich auch an dem, was auf den Spielbahnen passierte. Nicht zuletzt aufgrund des Umstands, dass ehemalige Masters-Champions bei diesem Turnier ein lebenslanges Startrecht geniessen. Einige der Alt-Stars trumpfen hier mit schöner Regelmässigkeit nochmals auf, schaffen nicht nur den Cut sondern spielen ganz vorne mit. Fred Couples, Masters-Sieger 1992, zum Beispiel. Ein Gentleman-Golfer durch und durch – und auch mit silbernem Haar ein verdammt gutaussehender Mann. Okay, das ist aus sportlicher Sicht kein Kriterium, werbetechnisch aber sicher kein Nachteil. Wenn «Boom Boom Freddy» antritt, ist Hinschauen Pflicht. Auch wenn er gestern auf Platz 20 zurückgefallen ist. Die Kastanien für die Senioren aus dem Feuer geholt haben heuer die Europäer! Der zweifache deutsche Masters-Gewinner Bernhard Langer (Sieger 1985 und 1993) klassierte sich als Achter, Neo-Senior Miguel Angel Jiménez (im Januar 50 geworden) schrammte als Vierter haarscharf am Podest, oder genau genommen sogar an seinem ersten Major-Sieg, vorbei. Schade, hat’s «The Mechanic» nicht gepackt. Sein Sieg wäre eine Sensation gewesen, auch wenn man eigentlich immer mit Jiménez rechnen muss. Der Mann mit dem roten Pferdeschwanz und einer Vorliebe für grossformatige Cigaren steht nicht ohne Grund auf Rang 40 der Weltrangliste – der Weltrangliste aller Professionals, nicht der Senioren! Es hat wie immer Spass gemacht Miguel Angel zuzusehen. So muss Golf sein: emotional, stilvoll, charismatisch, fair!
Dass dies emotional im Rahmen einer Golf-Übertragung noch zu toppen sein würde, hatte ich letzte Nacht vor dem Bildschirm nicht für möglich gehalten. Ich hatte keine Gänsehaut, als Bubba Watson mit drei Schlägen Vorsprung den letzten Fairway hinauf zum 18. Grün schritt. Die kam erst, als der Sieger von 2012 den kurzen Putt zum erneuten Masters-Gewinn 2014 gelocht hatte und seinen Caddie umklammerte. Als Freudentränen flossen und Bubbas Söhnchen mit unsicheren Baby-Schrittchen auf den Papa zuwankte. Als der frischgebackene Masters-Sieger in den Armen seiner Gattin schluchzte. Als Watson mit dem Junior auf dem Arm zwischen den Fans durchmarschierte und hunderte von Händen abklatschte. Emotionale Szenen, wie sie selbst die BBC-Moderatorin im Golfsport zuvor kaum je gesehen hat, wie sie Paul Azinger und dem Publikum gestand.
Genau, Major-Gucken auf BBC ist auch so eine Macke von mir Traditionalistin; Golfübertragungen müssen von Briten kommentiert werden, damit die Vorfreude auf The Open richtig angeheizt wird.
 
14. April 2014


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